Es gleicht einer Verschwörung: während vor einiger Zeit George Orwells Meisterwerk 1984 noch auf Amazons Kindle vorhanden war, ist es nun verschwunden.
Weg. Einfach so. Ohne Tschüß zu sagen. 1984!

Gerade deswegen, weil es sich bei dem verschwundenen Titel um 1984 handelt, ist die ganze Sache brisant. Wenn auch der Hintergrund der Löschung vom Kindle so simpel wie banal is: Copyright Probleme. Da kann das Kindle und Amazon auch nichts für. Aber es beleuchtet die Angst der Zensur und der neuartigen, virtuellen Möglichkeiten diese durchzuführen.

1984 – ein Titel verschwindet aus der virtuellen Bibliothek

Man stelle sich die klassische Bücherei vor: Bücher sind gedruckt, physisch und nicht einfach aus der Welt zu schaffen. Außer man hat die Möglichkeiten sie alle einzusammeln, verrotten oder zu Asche werden zu lassen. Und diese Möglichkeiten gibt es nicht. Irgendwo wird ein Exemplar übrig bleiben, wird kopiert, wird weiter gegeben.
Wie schaut es aber bei einem virtuellen Schriftstück oder Dokument aus? Eigentlich nicht viel anders: es wird verbreitet, kopiert und archiviert.
Fügt man aber eine zentralle Komponente hinzu, eine Bibliothek, wo man das Buch an sich nicht besitzt sondern für die nicht übertragbaren Nutzungsrechte gezahlt hat und der Herausgeber der virtuellen Bibliothek die technischen Möglichkeiten besitzt das Werk auch im Nachhinein zu manipulieren oder zu löschen, wird es sehr interessant.

Möglichkeiten der virtuellen Zensur

Im Fall 1984 Kindle ist das Meisterwerk nicht nur aus dem Sortiment gefallen, sondern wurde von den ans Netz angeschlossenen Kindle der Kunden entfernt. Einfach so. Schnell und unkompliziert!

Ein Schelm der Böses denkt … so einfach könnte die Zensur der Zukunft aussehen: unliebsame Schriften und Publikationen per Mausklicke aus der Welt tilgen oder sie zumindest so anzupassen, dass sie wieder konform werden.

Science Fiction auf dem Kindle

Erinnert mich daran, dass ich bald meinen ersten Science Fiction, eher Endzeit, Roman auf dem Kindle meiner Frau lesen werde: Metro 2033.
Allein aus dem Grund, weil meine Frau diesen Roman auf dieser Plattform erworben hat und ich kein extra Geld ausgeben möchte für eine gedruckte Version.
1984 habe ich hier noch, ich glaube sogar doppelt, in klassischer, gedruckter Variante ;)

Fazit:
Der Vorfall mit 1984 ist dabei nur ein einfacher Vorgang, illustriert aber auch die Gefahren unserer netzoffenen Welt.
Versteht mich nicht falsch: ich finde das Kindle (der, die, den?!) klasse und habe meiner Frau, welche sehr buchbegeistert ist und enorm viel liest, einen solchen Kindle geschenkt. Obwohl die Skepsis von vornherein da war, mag sie sich von ihrem praktischen und handlichen Begleiter nicht mehr tretten.

Quelle: io9 – Amazon secretly removes George Orwells 1984  from the kindle