Der Herr der Welt – Robert Hugh Benson
Die letzten Tage, wann immer etwas Zeit übrig war, las ich in dem beeindruckenden Endzeit Roman “Der Herr der Welt” von Robert Hugh Benson aus dem Jahre 1907, Herder Bibliothek 1960.
Wie üblich weise ich darauf hin, daß ich in meinem Bericht womöglich mehr verrate als es sein sollte. Gewiss werde ich das tun! Wer also beabsichtigt den Roman in naher Zukunft selbst zu lesen, der möge weichen oder schnell lesen und wieder vergessen *g*
Der Herr der Welt
Ein wirklich sondernbarer Endzeitroman, frühes 20. Jahrhundert, bildhaft geschrieben, geleitet von vielen Ängsten um das eigene Vergehen, um das Vergehen der Menschheit, über das Vergehen des Individuums und das der Religionen.
Am Anfang des Romans ist die Welt in der Angst in einem Feuer eines neuen Krieges unterzugehen, einem Krieg zwischen Ost und West, zwischen zwei Mächten die seit jeher Feind waren.
Eine düstere Stille herrscht vor, die Gemüter sind gespannt, ein Krieg scheint nahezu unabwendbar.
Wäre da nicht Julian Felsenburgh. Ein gekonnter Redner, Staatsmann, Saubermann – niemand weiß wirklich wer er ist, woher er kommt und was er für Ziele hat. Doch scheint die Person Felsenburghs die Menschen zum Frieden zu bekehren, motiviert sie Streitigkeiten sein zu lassen unter vollkommener, freiwilliger Selbstaufgabe und Unterwerfung dem neuen Ziels der Welt: dem Frieden und Gottwerden des Menschen.
Tatsächlich schafft Felsenburgh in einer kurzen Zeit den Krieg im letzten Augenblick abzuwenden. Ein Weltfrieden ist in greifbarer Nähe. Mehr noch, die einzelnen Staaten geben sich auf, bieten ihm ehrwürdige Ämter an ihrer Staatsspitze an. Aber erst nachdem die Völker sich unter eine übergeordnete Regierung stellen, willig Felsenburgh ein und wird zum “Herren der Welt” gekrönnt.
Niemand weiß mehr wie ihm ist. Der Eifer ist ausgebrochen, die Religion des Christentums gänzlich verdammt.
Der Frieden Felsenburghs ist der vollkommene Frieden eines Kommunismus, eine humanitärer Frieden die nicht auf das Individum ausgerichtet ist, sondern auf das Kollektiv; nicht Mensch, nicht Volk, nicht Staat sondern MENSCH.
Aller Eifer um Religion scheint ausgerottet. Doch, ehe die Menschheit sich versah, flammte der Religionseifer wieder auf; eine neue Religion ward geboren, die Religion um die Heiligkeit des Menschen. Der Mensch war Gott und hatte die Welt untertan! Und alles unter der Leitung Julian Felsenburghs.
Die Welt hielt den Atem an, noch war nicht alle Arbeit erledigt. Feinde des neuen Friedens lauerten überallt und bedrohten den frischen Weltstaat. Rom mußte vernichtet werden, die letzte Bastion, der letzte Widerstand der reliquirten Christen gegen die blasphemischen Kommunisten.
Das Ende der Welt schien unausweichlich, zumindest für die Gläubigen, ewig gestrigen Menschen die an die Übersinnlichkeit einer Gottes glaubten ohne ihre eigene Göttlichkeit zu erkennen.
Julian Felsenburgh – Person
Die Person des Julian Felsenburgh ist eigentlich, meiner Meinnung nach, eine Randerscheinung. Der Charakter des Herren der Welt wird nicht wirklich ausgeleuchtet. Er bleibt bis zum Schluß unbekannt.
Julian Felsenburgh ist der Befreier der Menschheit, ein gottgewordener Mensch, der Erlöser auf den so lange gewartet wurde, jener der den Frieden bringt und das Schwert begräbt (Vergleich eines erwähnten Jesus Zitates im Buch:” Ich bringe euch nicht den Frieden, ich bringe euch das Schwert…”). Damit wird impliziert, daß Felsenburgh der Antichrist ist, doch ist er tatsächlich das Böse? Smeine Motivation wird nicht verraten. Er krönnt den Menschen, hüllt sich in Schweigen, überläßt die Entscheidungen den Menschen, Räten und Gerichten. Niemand wird gezwungen neue Gesetze zu verabschieden, niemand wird in den Hass getrieben. Die Menschenräte der neuen Weltregierungen machen die Gesetze – Felsenburgh segnet diese nur ab, begrüßt höchstens die Bemühungen den Weltfrieden zu stabilisieren.
“Ach so, die neuesten Nachrichten, meine Herren. Nun, die zweihundert Flugschiffe hatten Kurs auf Rom. In London ist ein Komplott der Katholiken entdeckt worden…”
Kommentar zur nachkommenden Auslöschung Roms
Wie schon erwähnt: niemand weiß wer Felsenburgh ist, niemand weiß wo er sich im Augenblick befindet, doch reicht allein die Erwähnung seines Namens um Wallungen im Geiste der neuen Gläubigen auszulösen.
Erscheint er vor einer Menge, der biedere Mann in der Richterrobe (nachdem er die Herrschaft über die Welt angenommen hatte), so versinkt diese in Extase. Niemand kann sich dannach wirklich erinnern was für Worte gefallen sind, die Wahrnehmung ist gestört. Seine Worte werden nicht akkustisch empfunden sondern als Signal an die Seele seiner Zuhörer.
Und doch, auch wenn sich alles um Felsenburgh dreht, so empfinde ich, daß das Hauptaugenmerk des Buches nicht auf ihn abzielt sondern auf die Menschen. Wie schon erwähnt, hat Felsenburgh eher eine semi-passive Rolle in dem Geschehen. Er krönnt lediglich die neue Kultur, er macht sie nicht, sie wird von allen gemeinsam gemacht, zumindest von jenen Gleichgesinnten.
Die Reden von Felsenburgh werden nicht zitiert – lediglich die Empfindungen siner Zuhörer geben den Inhalt im Rahmen wieder.
Das Christentum – die Frage nach dem Sinn
Das Christentum wird hier einer Glaubensprüfung unterzogen. Auf der einen Seite steht der Frieden (zumindest bevor die Christenverfolgung einsetzt), einen Punkt den das Christentum niemals erreicht hat, auf der anderen der Wunsch zur Vereinfachung der eigenen Grundsätze und Dogmen.
Der Frieden ist einfach und selbstverständlich geworden, die neue Welt, der neue Führer sehr verlockend sogar für die höchsten Häußter der Kirche in “Herr der Welt”.
Im Roman wird auch bis zum letzten Augenblick die Frage nach dem Sinnd es Christentums nicht geklärt. Mit Absicht bleibt das Christentum ein Mysterium welches nicht den Sinn hat seine Geheimnisse zu lüften, sondern sich den Lehren und Grundsätzen zu beugen. Immer wieder wird auf das Zitat Jesu hingewiesen, auf das Schwer und nicht den Frieden. ein Stück Verbohrtheit einer Glaubensgemeinschaft.
Letztendlich ist die neue Religion der Welt, die humanitäre Religion, nicht so verschieden von der der Christen – wie der Autor in den Dialogen und Monologen oft selbst feststellt – eine Tatsache die es den dortigen Christen und anderen Gläubigen einfach macht die neue Religion zu akzeptieren und/oder sie sogar zu praktizieren.
Fazit
Die Welt ging nur für eine Glaubensgemeinschaft unter. Nachdem die letzten Hochburgen des Christentums ausgelöscht wurden, was jedoch mit einem Armageddon gleichgesetzt wird und die Märtyrer ins Jenseits hinaus begleitet, dreht die Welt ihre neuen, geregelten Bahnen weiter.
An dieser Stelle endet der Roman, und man kann sich nicht ausmalen wie es weitergeht. Eigentlich ist davon auszugehen, daß die Welt nun tatsächlich in ihrer humanitären Gemeinschaft in Frieden lebt. Es gibt keine Anzeichen dafür, daß das Ende der Welt tatsächlich eintritt. Ich lasse mich jedoch gerne eines Besseren belehren.
Im Großen und Ganzen ein sehr interessanter und spannender Roman voller dramatischer Bilder, gewaltiger Szenen und bildhafter Visionen von Utopien und Destopien.
Für Freunde der frühen Science Fiction im Stile von 1984 & Endzeit sicherlich ein zu empfehlendes Buch.




Habe “Der Herr der Welt” in einer Übersetzung aus den 1920er Jahren, die gegenüber dem engl. Original stark gekürzt zu sein scheint, gelesen. Als bibelfeste Ex-Katholikin, die obwohl erst 1964 und nicht schon 1904 geboren, in früheren Jahrzehnten tatsächlich dutzendweise Erbauungs- und Glaubens- Bücher aus den 1000er bis 1920er Jahren konsumiert und deren Lehren auch zu praktizieren versucht hat.
Wobei ich natürlich oft und auf übelste Weise hereinfiel – wobei ich bis vor wenigen Jahren nicht mal begriff, wieso, ich schob es immer auf eigenes Unvermögen. Dazu wird man als Christ ja (leider immer noch) erzogen.
Es war erst die Lektüre von “Der Herr der Welt”, die mich überzeugt hat, daß diese katholische Kirche meiner Kindheit sich durch ein unbegreifliches, grenzenloses Ausmaß von Naivität, das sie dazu brachte, sich gleichsam für das Zentrum der Welt und ihre religiöse Praxis für von allen anderen Praktiken der Anbetung grundlegend verschieden und “alleinseligmachend” zu halten, das eigene Grab geschaufelt hat… unabhängig von der Person Jesu. Jesus, hoffe ich, wird bis zum Letzten Tag nie vergessen werden. Aber wenn dieser Monsignore Benson hingeht und das Ende der Ecclesia Catholica blauäugig mit dem Ende der Welt, die Vernichtung der letzten Priester dieser Kirche mit dem Armageddon gleich setzt, wobei er auf jeder Seite des Romans zeigt, wie schlampig er die Offenbarung des Johannes gelesen hat… dann kann ich als Bibelfeste nur noch lachen. Und kann nicht anders als denken, daß diese Kirche in 100 Jahren nur noch Geschichte sein wird. Denn sie versteht die eigene Bibel nicht mehr – sie kapiert sie weniger als eine simple Mennonitengemeinde. Auch hat diese Geschichte mich überzeugt, daß in den Archiven des Vatikans tatsächlich FAkten verborgen sein müssen, die, wären sie öffentlich, zeigen würden, daß die katholische Kirche Jesus nicht versteht und auch nicht verstehen will. Vielmehr will sie Ihn als eine Art Popanz für ihr selbstgestricktes System benutzen. Die Wahrheit dürfte sein, daß die mächtigsten Punkte Seiner Lehre, jene nämlich, die den ersten Christen Furchtlosigkeit selbst auf der Folter und die Macht zur Wunderheilung und zum Normalmachen Gehirn- und Geisteskranker (“böse Geister austreiben”) verliehen haben, von dieser Kirche oder einer Vorläuferorganisation derselben bewußt in Vergessenheit gebracht worden sein müssen.
Zurück zu R. H. Benson. Wie rührend naiv… mehr als Luftschiffe, und zwar mit Schraube hinten und beweglichen Flügeln an den SEiten, welch physikalisches Unding!, konnte er sich nciht als Mittel zum Luftverkehr vorstellen, und seine Telefone hatten für jeden Anschluß einen Knopf, der raussprang, um den Anrufer anzuzeigen, wenn ein Anruf kam… also Telefon für ein paar hundert Familien pro sTadt, denn mehr wäre mit sowas technisch nicht zu machen! Und dann geht er auch noch hin und meint, GOTT der HERR würde die Apokalypse über die Welt bringen, ohne sie anders als mit ein paar trockenen Gewitterdonnern und einem vermehrten Schwarz der Nächte anzukünden… obwohl in der Bibel steht, daß vorher z. B. ein Drittel des Wassers auf der ganzen Erde giftig werden, die wichtigste Handelsstadt der WElt (NEw York?) durch einen Einschlag aus dem Himmel (Meteor?) dem Erdboden gleich gemacht werden würde usw. FAlls Bensons Seele vom Himmel aus mitkriegt, daß es sein “Herr der Welt” war, das mich die Kirche meiner Kindheit als hoffnungslosen Fall aufgeben ließ, obwohl, nein, WEIL ich an Jesus glaube, bin ich sicher, daß ihr das keinen Schmerz bereitet; von dort oben aus wird alles ja ganz anders beurteilt und erkannt als aus der Froschperspektive des Erdendaseins. Einen lebenden Benson würde dieses Urteil einer Leserin guten Willens, 103 Jahre nach ERscheinen seines Romans, qualvollst ins Herz getroffen haben. Wollte er doch mit diesem und andern Romanen seine Kirche in die Moderne hinein retten und den Gefahren der Moderne, wie er als Priester sie sah (und diese alte katholisch dogmatische Sicht war, wie wir heute erkennen müssen, eine hochintellektuelle und doch zutiefst naive Froschperspektive), vorbauen. Hätte ich R. H. Benson mit 12, 15, ja selbst noch 20 Jahren gelesen, ich hätte ihm unbesehen jedes Wort geglaubt, wie ich ja auch alles Andere glaubte, was in irgendeinem Buch stand, wo “Imprimatur” vorn drin stand… es kam ja von der Kirche; der mußte man blind glauben, sonst riskierte man das Inferno…
FAzit: Die Lektüre von BEnsons “Herr der Welt” hat meinen letzten Rest von Kirchenglauben in den Grund gebohrt, aber gerade dadurch meinen Glauben an Gott gemehrt, der größer ist als alle Bilder, die wir uns von ihm machen. Tempel werden erbaut und wieder zerstört, Gott aber IST. Tempel gehören zum Irdischen, ja wohl, auch der Petersdom; Gegenstände sind vergänglich, ja wohl, auch eine Kreuzreliquie wird einst zu Staub zerfallen sein; es kann sogar sein, daß Jesus irgendwann vergessen sein wird; Gott aber IST, und Er wird sich uns immer wieder ins Gedächtnis rufen. Denn es ist einer der Lebenszwecke der Spezies Mensch – vielleicht sogar der höchste – sich Gottes, des Schöpfers, zu erinnern. Und die Anthropologie und Philosophie der Zukunft wird dies anerkennen müssen, wie sie denn auch die Teleologie als solche wieder wird akzeptieren müssen, da der Mensch geistig und sozial nicht funktioniert ohne ein teleologisches Denksystem.
Da war noch was. Ich habe den Artikel gerade ausgegraben und dann fiel mir ein, daß ich den Kommentar eigentlich selbst noch kommentieren wollte.
Ich habe ihn mit eineigen Verfechtern des Buches und Gläubigen besprochen, wie sie das Buch denn aufgefasst haben (ich selbst bin da nicht gerade religiös). Diese konnten mir die genannten Punkte im Kommentar nicht ansatzweise bestätigen, eher im Gegenteil. So waren zumindest ihre Empfindungen.
Wenn ich die Wahl habe an einen Gott zu glauben oder auch nicht, ohne daß es Konsequenzen gibt, die Erde dreht sich weiter, dann frage ich mich, welchen Zweck Glauben an ihn erfüllen soll?
Es werden mehr Kriege in der Welt in Gottes Namen geführt als wohltätige Zwecke diese Wunden wieder heilen. Was für ein Gott wird da also angebetet?
Nehme man an, es gäbe Gott, so könnte man annehmen, daß der Mensch das Wort Gottes noch nie verstanden hat. Vielleicht gibt es diesen Schöpfer nicht mehr, oder er hat das Interesse an seinem Spielzeug verloren.
Wer weiß schon was richtig ist oder falsch. Ich denke einfach zu analytisch als daß ich es zulassen könnte einen solchen Glauben anzunehmen. Dabei bin ich hyperchristlich erzogen worden und verstehe was vom “Fach. Vielleicht gerade deshalb habe ich mich schon vor fast 2/3 meines Lebens davon abgewandt.