In den letzten Jahrzehnten hat das Thema der Genetik sowie der Ethik rund um die Genimanipulation in den Science Fiction Filmen und Romanen zugenommen.

Sicherlich nicht zuletzt der bahnbrechenden Fortschritte, welche von der Wissenschaft im 20. und 21. Jahrhundert gemacht wurden. Schon heute ist es möglich das Leben zu steuern, die Pflanzen und Tiere so zu manipulieren, sodass sie ertragreicher werden. Weiter rückt das Thema, ähnlich den Thematiken in Science Fiction, in das Feld der Eugenik (Stärkung des genetischen Potentials) und der Genanalyse, bzw. Pre-Selektion beim Menschen zur Vorbeugung von schwerwiegenden Gendefekten.
Noch stehen wir am Anfang und die Menschheit lehnt eine Genanalyse beim Menschen ab. Vom Eingriff in die menschlichen Gene schon mal ganz zu schweigen.

Logo des zweiten Kongresses zur Eugenik, 1921

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Achtung: die nachfolgenden Zeilen gehen sehr unkritisch mit dem Thema Genetik und Selektion um. Leser, welche bereits beim Lesen des Titels „Genetik und Science Fiction“ zur Tüte Zwecks Hyperventilations Maßnahme gegriffen haben, sollten spätestens an dieser Stelle aufhören den Beitrag zu lesen. Auch wenn es sich nur um die Auseinandersetzung, bzw. Festlegung der Gedankengänge (unbedeutend der Richtigkeit oder ethischer Richtlinien!) zum Thema handelt …

Genanalyse, Selektion und die Frage der Ethik

nicht nur in Science Fiction oder der „Genetic Opera“

Während die Wissenschaft sich langsam an das menschliche Erbgut herantastet, bleibt es in vielen Ländern weiterhin verboten Stammzellenforschung zu betreiben. Nach meinem jetzigen Stand ist dies auch in Deutschland der Fall. Wenn nicht verboten, dann zumindest sehr stark eingeschränkt.
Dass es ein hitziges Thema ist, gebe ich offen zu. Doch sollte man darüber offen diskutieren dürfen. Die Meinung ist meistens frei.

Welche Vorteile würde Genanalyse vor der Geburt bringen?

Derzeit haben Ärzte nur dann die Möglichkeit zur Untersuchung, wenn die Mutter bereits schwanger ist und die Frucht anreift. Auch sind die Untersuchungen mit Gefahren behaftet. So kann zum Beispiel eine Frühgeburt durch Fruchtwasseranalyse zwar wichtige Antworten liefern, bedroht gleichzeitig jedoch auch das Leben des ungeborenen Kindes durch Frühgeburt. Dabei spricht man von invasiver Untersuchung. Forscher sind jedoch bereits mit guten Erfolgen dabei diese Faktoren auszuschliessen und die Möglichkeiten einer nicht invasiven Untersuchung den werdenden Eltern anzubieten. Es reiche nur etwas Blut von der Mutter und der Speichel des Vaters um die möglichen Gendefekte des Kindes vorab auswerten zu können (Quelle).

  • Schwerwiegende geistige und körperliche Behinderungen könnten auf ein Mindestmaß reduziert werden
  • Eine „science fiction mäßige“ Vorauswahl könnte der Bevölkerung der Erde eine noch schnellere Entwicklungsmöglichkeit ermöglichen und ein neue Maßstäbe der Gesundheit setzen
  • Der Schritt zum „Designkind“ ist sehr naheliegend. Eltern könnten sich bewusst für ein typisiertes Kind mit speziellen Eigenschaften entscheiden. Denkbar wären auch vordefinierte Gen-Klassen. Z.b. Typ Sportler, Künstler, Wissenschaftler etc.
  • Die Anpassung des Menschen durch sein Erbgut an unwirtliche Lebensverhältnisse. Auch in Hinblick auf die Besiedlung fremder Planeten in nicht allzu ferner Zukunft. Davon spricht man bereits heute und es ist kein reines Science Fiction Thema mehr. Stephen Hawking spricht ja sogar davon, dass wir schon heute zu den Sternen greifen sollten, da sonst die Menscheit nicht überleben kann. Siehe dazu auch Stephen Hawking, Extinction – Exodus zu den Sternen
  • Die Schaffung eines „Übermenschen“ – eines Menschen, welcher in allen Dingen dem heutigen Menschen weit überlegen ist. Einer der wichtigsten Merkmale der Science Fiction Filmen, oder „Genetic Operas“. Dies spiegelt auch die größte Angst des Menschen vor der Genetik wider. Siehe ebenfalls vergangene Beiträge zu Übermenschen in Science Fiction: Teil 1 , Teil 2.
  • uvm.

Die Nachteile, bzw. mögliche Nachteile durch den Eingriff des Menschen in das eigene Erbgut und die Anlagen.

  • Hunger und natürliche Krankheiten, sofern die Eugenik für alle frei zugänglich ist. Damit kommen wir auch direkt zu Punkt zwei.
  • Überbevölkerung und Klassensysteme. Sofern jeder Mensch die Möglichkeit hat sein Erbgut zu verbessern, droht eine noch schlimmere Überbevölkerung als es jetzt schon der Fall ist. Dass es  niemals so kommen wird, dürfte auch allen Lesern klar sein. Die Eugenik wird kosten. Sie wird vermutlich sehr viel kosten. So viel, dass es das erste Ziel eines Menschen mit Nachkommenswunsch sein wird eben ein derartiges „Genupgrade“ zu erwerben und anzuwenden. Immerhin die beste Absicherung für Nachkommen.
    Das Klassensystem führt dazu, dass man Arbeiten und Fertigkeiten nur nach seinem Genstatus durchführen kann und darf. Einer der bekanntesten Vertreter des Eugenik Themas ist GATTACA. Einer der herausragendsten Science Fiction Filme der letzten Jahre!
  • Gerne wird das Ergebnis von Eugenik als „Einheitsbrei“ bezeichnet. Wenn jeder überragend und gleich gut ist, wer soll noch Maßstäbe setzen und besser sein können. Als persönliche Anmerkung sei gesagt, dass ich diese Angst für unbegründet halte. Trotz genetischer Politur wird das Leben noch genügend Platz dafür lassen zur eigenen Entfaltung. Trotz perfekter Gene muss ich nicht zwingend der perfekte Mensch, Musiker, Wissenschaftler oder Künstler sein. Wenn die Persönlichkeit nach einem Ziel strebt, so sind die Gene nur eine zweitrangige Hürde. Zumindest solange es sich um weniger schwerwiegende Gendefekte handelt.
  • auch hier kann man die Reihe sicherlich gut und lange weiterstricken.

Letzten Endes bin ich mir sicher, dass die Zukunft der Menschheit nur darin liegt sich der Entwicklungsgeschwindigkeit anzupassen. Trial & Error brauchen Zeit. Wir haben jedoch keine mehr.

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